Costa: Italienische Kinderfreundlichkeit

Kreufahrtreedereien im Massenmarkt sind ja mittlerweile eigentlich sehr um Kinderfreundlichkeit bemüht. Auch Familien sind ein Kundensektor, den man gerne abschöpfen will. Darum gibt es spezielle Kinderpreise bei der Buchung und eine große Zahl von Angeboten für Kinder an Bord.

Dass es in der praktischen Gestaltung manchmal ganz anders aussieht, durften wir nun an Bord der Costa Diadema feststellen.

Kinder gewinnen für Eltern

Ein spezielles Angebot für Kinder war dort eine Schatzsuche. An dieser durften auch tatsächlich nur Kinder teilnehmen, Erwachsene sollten von außen durch die Schaufenster zuschauen. In den recht hochpreisigen Bordläden durften die Kinder die Regale und einige Produkte durchwühlen, um dort Preise (Plastiktütchen mit etwas Schokolade und jeweils einem Gutschein drin) zu finden.

Unter diesen Gutscheinen befanden sich auch solche, die man in einen (neuen) Casino-Gutschein umtauschen durfte. Dieser neue Casino-Gutschein war dann aber nur an einem bestimmten Automaten – einer Variante des „Greifers“, bei dem man Bargeldbündel gewinnen konnte – gültig.

Nun hatten unsere Kinder jeweils einen dieser Gutscheine gewonnen und ich wollte diesen gemeinsam mit ihnen verspielen. Doch da kam die Casino-Aufsicht angestürmt und wies darauf hin, dass Kinder an diesem Automaten nicht spielen dürften. „Only for you, sir!“ Meine Entgegnung, dass die Kinder diesen Gutschein bei einem Spiel nur für Kinder gewonnen hatten und es nun etwas widersinnig sei, wenn dieser nur durch einen Erwachsenen eingelöst werden dürfte, wurde wieder genauso zurückgewiesen: Only for you, sir.

Da stellt sich schon die Frage, warum man diese Gutscheine nicht für solche Spiele ausgeben kann, die für Kinder gedacht sind, ob nun für den Entenangelautomaten oder für das Airhockey-Spiel.

War diese ersten Episode nur etwas ungeschickt, geht unser zweites Erlebnis schon in den Bereich des Unverschämten.

Auftritt der Serviettentigerin

Die Figuren, die das Kreuzfahrtpersonal aus Handtüchern falten kann, sind ja legendär. Auf unserer Reise fanden wir zunächst – osterbedingt – einen Hasen, später einen von der Lichtleiste baumelnden Affen vor. Da am Seetag, an dem man eh meist nicht viel vorhat, ein Serviettenfaltkurs angeboten wurde, wollte meine Frau dieses Angebot wahrnehmen und die jahrtausendealten Geheimnisse des Figurenformens aus Stofffetzen erlernen. Im Bordjournal war diese Aktivität – im Gegensatz zu anderen – auch nicht als „nur für Erwachsene“ markiert.

Daher rückte unsere ganze Familie dazu an. Am Anfang des Ganzen wurde dann aber mehrfach in verschiedenen Sprachen durchgesagt, dass sich das auf einmal doch nur an Erwachsene richten würde. An faltbaren Servietten mangelte es jedenfalls – das sei gleich am Anfang gesagt – nicht. Aber in Ordnung, dann sei es eben so.

Auch eine solche Zielgruppe ohne Kinder kann man freilich auf verschiedene Arten umsetzen. Man kann die Kinder einfach nicht separat berücksichtigen und nicht darauf warten, dass sie in gleicher Geschwindigkeit mitfalten können. Man kann auch die Auswahl der Motive eher auf Erwachsene zuschneiden. Costa entschied sich für einen anderen Weg.

Es begann schon bei der Ausgabe der Stoffservietten. Ein ca. 15-jähriges Mädchen, das mit der Mutter da war und für beide eine Serviette holen wollte, wurde recht brüsk weggeschickt. Als die Mutter dann selbst hinging, erhielt sie eine Serviette. Danach ging die Assistentin der – nennen wir sie einmal: – Veranstaltungsleiterin auf die Jagd. Sie tigerte von Tisch zu Tisch, um herauszufinden, ob sich eines der anwesenden Kinder illegalerweise an einer Stoffserviette zu schaffen machte.

Sicherheitshalber nahm ich dann eine unserer drei Servietten, von denen eine meine Frau und zwei die Kinder vor sich hatten, zu mir. Leider war es zu spät, denn die Assistenztigerin hatte mein Manöver durchschaut und nahm die Serviette unter ihrem bekannten Schlachtruf „Adults only!“ an sich. Wir verließen daraufhin unter gewissen Unmutsbekundungen diese Veranstaltung – und waren nicht die einzigen.

Man muss sich wirklich fragen, was dieses Verhalten soll und was sich Costa davon verspricht. Die Unannehmlichkeiten, die die Reederei von ein paar serviettenfaltenden Kindern hätte, wären minimal. Ich sehe auch nicht, welche Störungen für die Veranstaltung zu erwarten wären, wenn die Kinder mitfalten statt nur dabeisitzen dürften. Den Ärger, den diese Art der Behandlung für viele Gäste bedeutet, kann man sich dagegen lebhaft ausmalen.

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